Roubaix (rad-net) - Franziska Koch (FDJ United-Suez) hat Paris-Roubaix der Frauen gewonnen. Die Deutsche Meisterin setzte sich nach 143 harten Kilometern im Dreiersprint gegen Marianne Vos und Pauline Ferrand-Prevot (beide Visma-Lease a Bike) durch.
Bereits zu Beginn des 143 Kilometer langen Rennens waren die deutschen Frauen mit dabei. Nach rund 20 Kilometern hatte Rosa Klöser (Canyon-Sram-Zondacrypto) alleine aus dem Feld angegriffen. Allerdings holte sie nie mehr als rund anderthalb Minuten Vorsprung heraus, während die Teams der Favoritinnen das Tempo im Feld kontrollierten. Auf Kopfsteinpflastersektor 16, 77 Kilometer vor dem Ziel, wurde Klöser wieder gestellt. Wie das Rennen der Männer, war auch das der Frauen von vielen Defekten, aber auch Stürzen geprägt. Koch war davon aber nicht betroffen. «Wir haben als Team gut gefahren, haben uns gut positioniert. So konnte ich mich aus dem Gröbsten heraushalten und war auf dem Kopfsteinpflaster immer unter den besten Zehn», erklärte Koch im Siegerinterview und sagte weiter: «Auf Mons-en-Pévèle [dem elften Sektor, Anm. d. Red.] wollten wir das Rennen hart machen und bin in einer perfekten Ausreißergruppe gelandet.»
Kurz darauf konnten sich rund 45 Kilometer mit Koch, Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prevot, Marianne Vos (beide Visma-Lease a Bike) und Blanka Vas (SD Worx-Protime) vier Fahrerinnen lösen, die ihren Vorsprung stetig auf eine Minute ausbauten. Damit war die Vorentscheidung gefallen. Auf Sektor Nummer sechs, in Bourghelles à Wannehain, war es dann Koch, die attackierte. Vos war sofort an ihrem Hinterrad, doch während Vas reißen lassen musste, konnte sich Ferrand-Prevot noch einmal heranarbeiten. Auf dem Weg in Richtung Roubaix blieb das Trio daraufhin zusammen. Da Visma mit zwei Fahrerinnen vorne vertreten war, übernahm Ferrand-Prevot die Führungsarbeit.
Vier Kilometer vor dem Ziel versuchte Koch ihre beiden Mitstreiterinnen abzuschütteln. Vos war jedoch sofort an ihrem Hinterrad, Ferrand-Prevot konnte nicht sofort folgen. Die Französin blieb aber in Schlagweite und schaffte es zwei Kilometer vor dem Ziel, doch noch einmal aufzuschließen. Damit fiel die Entscheidung im Sprint der drei Frauen. Eingangs der Zielkurve traten Vos und Koch fast zeitgleich an und gaben im Sprint Schulter an Schulter alles. «Nach der Kurve war Marianne in etwas besserer Position, weil es für sie mehr bergab ging. Aber ich habe nur noch gedacht: 'Ich bin jetzt so nach dran, ich muss gewinnen.' Es gab keine andere Option. Ich sah, dass sie näher kommt, aber ich konnte am Ende nochmal etwas zulegen», beschrieb die 25-Jährige ihren Weg zum Sieg, den sie sich mit einem Tigersprung vor Vos sicherte. Ferrand-Prevot kam sechs Sekunden später ins Ziel.
«Ich kann es nur schwer glauben. Ich habe davon geträumt und gehofft, dass es klappt, aber Paris-Roubaix ist ein Rennen, bei dem alles passieren kann. Aber es hat geklappt - eben wie in einem Traum», freute sich Koch, die seit ihrem siebten Platz bei der Roubaix-Premiere für Frauen 2021 das Rennen im Visier hatte. «Ich wusste von der ersten Austragung an, dass ich dieses Rennen mag und es eines Tages gewinnen möchte. Und dieser Tag ist heute!» Koch ist damit nicht nur die erste deutsche Siegerin des Rennens, sondern die erste deutsche Frau auf dem Podest überhaupt.
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